Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit

Antidemokratische Kräfte im digitalen Raum – erkennen, hinterfragen, kontern

Der öffentliche Diskurs findet zunehmend in digitalen Räumen statt. Social Media ist heute für viele Menschen der wichtigste Informations-, Kommunikations- und Begegnungsraum. Und auch hier, im digitalen Raum, gerät unsere Demokratie unter Druck.

„Soziale Medien“ eröffnen antidemokratischen Kräften dabei erhebliche Möglichkeiten: Reichweite und Anonymität erleichtern die Verbreitung von Botschaften und die Organisation von Protesten. Sie nutzen digitale Plattformen gezielt, um öffentliche Debatten für ihre Zwecke zu polarisieren.

Strategisch platzierte Desinformationen lassen Fakt und Fiktion ineinander verschwimmen und zielen darauf, Vertrauen zu unterminieren, weil bei den Zuhörerinnen und Zuhörern sowie Zuschauerinnen und Zuschauern der Eindruck entsteht, dass letztlich nichts mehr zuverlässig, überprüfbar oder glaubwürdig ist. Das gilt auch für das Vertrauen in staatliche Institutionen.

Wie kann ich antidemokratische Kräfte im digitalen Raum erkennen? Welche Rolle spielen sie in Deutschland? Welche Effekte haben ihre Kommunikationsstrategien?

Diesen und weiteren Fragestellungen widmete sich am 17. November 2025 der Hochschultag des Fachbereichs Polizei der HöMS in Wiesbaden, in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und dem Polizeipräsidium Westhessen. Gefördert wurde der Hochschultag auch dieses Jahr von der Heinrich-Mörtl-Stiftung.

Begrüßung durch Präsident der HöMS Dr. Walter Seubert

Zur Eröffnung der Veranstaltung richteten der Präsident der HöMS, Dr. Walter Seubert, der Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung und Leiter des politischen Bildungsforums Hessen, Felix Kraft, sowie der Vorsitzende der Heinrich-Mörtl-Stiftung, Werner D’Inka, Grußworte an die geladenen Gäste.

Grußworte des Leiters des politischen Bildungsforums Hessen Felix Kraft
Grußworte des Vorsitzenden der Heinrich-Mörtl-Stiftung Werner D’Inka

„Wir befinden uns in einer Zeit, in der demokratische Institutionen und Werte auf eine neue, subtile Weise im digitalen Raum herausgefordert werden, in dem antidemokratische Kräfte gezielt versuchen, Vertrauen in Wissenschaft, Staat und Institutionen zu untergraben. Hochschulbildung soll Menschen auch dazu befähigen, gesellschaftliche Prozesse kritisch, reflektiert und verantwortungsbewusst mitzugestalten – mit demokratischem Gemeinsinn. Gerade in Studiengängen von Polizei und Verwaltung bedeutet das auch: Demokratie schützen. Die Verteidigung der Demokratie beginnt im Denken, im Diskurs, in der Art, wie wir Wissen vermitteln und Kritik üben. Als Hochschule, als Lehrende, Forschende, Studierende und Polizeiangehörige tragen wir Verantwortung. Unser Ziel ist es, kritische, aufgeklärte, faktenorientierte und demokratisch handelnde Menschen auszubilden – Menschen, die den Mut haben, für Wahrheit und Würde einzustehen“, so der Präsident.

Thematische Einführung durch die Leiterin des Hochschuldidaktischen Dienstes Cornelia Rotter

Nach einer thematischen Einführung folgten Workshops zu folgenden Themenschwerpunkten:

  • „Digitale Selbstverteidigung und digitale Souveränität“ - Andreas Baur, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW Universität Tübingen)
  • „Digitaler Antifeminismus – Misogynie als Radikalisierungsmotor und Scharnierfunktion von Extremisten“ - Rebecca Schönenbach, Unabhängige Beraterin im Bereich der Terrorismusbekämpfung, Vorsitzende der Vereine „Veto! Für den Rechtsstaat“ und „Frauen für Freiheit“
  • Rechtsextreme Bildwelten: Narrative, Strategien und Gegenstrategien“ - Dr. Oliver Honer, Jugendstiftung Baden-Württemberg
  • „Antisemitismus in Social Media – verstehen, erkennen und benennen“ - Paola Widmaier, Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt am Main
  • IS und Al-Qaida als digitale Influencer - Dr. Eliane Ettmüller, Islam- und Politikwissenschaftlerin, HöMS

Sie sensibilisierten für Motive, Botschaften und Strategien antidemokratischer Kräfte im digitalen Raum. Es wurden Möglichkeiten der digitalen Souveränität, die Bildwelten rechtsextremer und salafistisch terroristischer Influencer sowie der zunehmende Frauenhass und Antisemitismus im Netz näher beleuchtet und diskutiert.

Vortrag des Oberstaatsanwalts von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT), Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Hanno Wilk

An die Workshops schloss sich die Frage an, wie Hass und Hetze im digitalen Raum erfolgreich strafrechtlich verfolgt werden können. In seinem Vortrag zum Thema: „Strafverfolgung von Äußerungsdelikten im digitalen Raum. Praktische Herausforderungen und gesellschaftlicher Diskurs“, stellte Hanno Wilk, Oberstaatsanwalt von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT), Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, die Arbeit der ZIT im Bereich Hasskriminalität im Internet dar. Er gab Einblicke in die bisherigen Entwicklungen, die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Hate Aid und hob hervor, wie herausfordernd die Strafverfolgung ist, aber auch, wie sie erfolgreich gelingen kann.

Der Hochschultag brachte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammen, um ein aktuelles Thema mit hoher gesellschaftlicher Relevanz zu diskutieren, Perspektiven zu erweitern und neue Erkenntnisse zu teilen.

Eingeladen waren Lehrende und Studierende des Fachbereichs Polizei, Mitarbeitende der HöMS, Praxisausbilderinnen und -ausbilder des Polizeipräsidiums Westhessen sowie weitere Interessierte, die sich intensiv und übergreifend zu den Themen, die sowohl in der Praxis als auch im Studium von Bedeutung sind, ausgetauscht haben.

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