Der Hochschultag Forschung der HöMS fand am 19.05.2026 am Campus Mühlheim statt und beschäftigte sich mit dem Thema „Hybride Bedrohungen für Polizei und Verwaltung.“ Die offizielle Begrüßung der über 100 Teilnehmer erfolgte durch den Vizepräsidenten für Forschung und Transfer, Prof. Dr. Georgios Terizakis. Durch das Programm führten die Direktoren des Instituts für Forschung und Transfer (IFT) der HöMS Dipl.-Pol. Dipl.-Psych. Hermann Groß und Prof. Dr. Julian Junk.
Hybride Bedrohungen, so Julian Junk im Eingangsstatement, kombinieren dabei koordinierte und illegitime Handlungen außerhalb des Rahmens konventioneller militärischer Angriffe – zumeist durch staatliche oder staatlich gelenkte Akteure. Hierzu gehören insbesondere die physische Sabotage kritischer Infrastrukturen, Desinformation, Cyberangriffe, Spionage, aber auch wirtschaftliche und psychologische Einflussnahme, um staatliche Institutionen wie die Polizei und Verwaltung zu schwächen.
Zu den zentralen Bedrohungsfeldern zählen u.a. (1) gezielte Angriffe auf Behördennetzwerke und die Kritische Infrastruktur, um Verwaltungsabläufe zu lähmen oder Daten zu stehlen, (2) Verbreitung von Falschinformationen in sozialen Netzwerken, um das Vertrauen in den Staat zu untergraben und die Bevölkerung zu verunsichern, (3) verdeckte Aktionen gegen Stromversorgung, Verkehrswege oder Kommunikationsnetze, oft durchgeführt von schwer identifizierbaren Akteuren, (4) Einsatz verdächtiger Drohnen zur Ausspähung sensibler Einrichtungen wie Polizeistandorte oder Flughäfen, um Sicherheitsbehörden personell und logistisch zu überlasten.
Die Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Sicherheit wird durch hybride Aktivitäten stark auf die Probe gestellt, zum einen in Form von hoher Bindung von Ressourcen durch die Abwehr kleinteiliger, verdeckter Angriffe, die enorme Kapazitäten bündeln, die dann an anderer Stelle (z. B. Kriminalitätsbekämpfung) fehlen. Zum anderen kommt der erhöhte Anpassungsdruck hinzu, bei dem die Behörden ihre Ausstattung (z. B. Drohnenabwehr) und rechtlichen Befugnisse kontinuierlich an technisch versierte Akteure anpassen müssen.
Daher stehen Polizei und Verwaltung vor einer doppelten Herausforderung: Erstens beim Schnittstellenmanagement, da der Umgang mit hybriden Bedrohungen die Zusammenarbeit von vielen Akteuren erfordert und Fragen nach Zuständigkeiten und an Reaktionsfähigkeiten auf technologischen Wandel stellt. Zweitens beim Unsicherheitsmanagement zwischen subjektiver und objektiver Sicherheit, weil hybride Bedrohungen inzwischen in der Öffentlichkeit angekommen sind und die Bevölkerung zunehmend verunsichern.
Im ersten Teil der Veranstaltung wurden drei Vorträge mit folgenden Themen von den folgenden Referenten gehalten:
- Andreas Monz (Ministerialdirigent, Abteilungsleiter Z im Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz): „Hybride Bedrohung der (Landes-) Verwaltung“
- Felix Paschek (Landespolizeipräsident): „Sicherheitsarchitektur und hybride Bedrohungen aus Sicht der Hessischen Polizei“
- Markus Röck (Amtsleiter Amt 37, Branddirektion, Feuerwehr Frankfurt): „Sicherheitsarchitektur und hybride Bedrohungen aus Sicht der Feuerwehr“
In der sich anschließenden Plenumsdiskussion mit dem Publikum konnten die verschiedenen Positionen aus Sicht der Kommunalbehörde Feuerwehr Frankfurt, der hessischen Landesverwaltung und der Polizei Hessen vertieft und herausgearbeitet werden.
Den Vormittag des Hochschultages Forschung 2026 komplettierten zwei Fachvorträge:
- Prof. Dr. Kristin Wolf (Leitung Institut für Kriminologie und Präventionsforschung HöMS, Campus Wiesbaden) und Arne Appel (Hochschuldozent Kriminalistik und Kriminologie HöMS, Campus Mühlheim): „Strategische Sicherheitskommunikation in Zeiten hybrider Bedrohungen: Zur Wirkung sprachlicher Rahmung auf die Akzeptanz polizeilicher Maßnahmen“.
- Stefan Singer (Abteilungsleiter, Landesamt für Verfassungsschutz Hessen): „Wechselwirkungen zwischen Extremismus und Hybrider Bedrohung - Herausforderung für die Prävention“.
Im Nachmittagsprogramm stellte zunächst Prof. Dr. Christoph Görisch (Geschäftsführender Direktor des Instituts für angewandte Verwaltungswissenschaften, Campus Wiesbaden), das neue Institut für angewandte Verwaltungswissenschaften der HöMS vor.
Im letzten Fachvortrag referierte Markus Mengel (Dozent für Einsatz- und Führungslehre, HöMS, Campus Gießen) zum Thema „Ausbildungsfähigkeit im Krisenfall: Die HöMS in der Zeitenwende“.
Währen der gesamten Veranstaltung gab es die Gelegenheit ergänzende Gespräche zu führen und Vernetzungsmöglichkeiten zu nutzen. Die Teilnehmenden konnten gemeinsam in den Dialog treten, das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, um neue Strategien und Ideen zu entwickeln sowie innovative Ansätze für die eigenen Arbeitsbereiche zu diskutieren.
Der Austausch der Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Bundeswehr, Feuerwehr, Landespolizeipräsidium, Landesamt für Verfassungsschutz mit Wissenschaft und Forschung der HöMS ermöglichte dabei neben der Vernetzung auch Kooperationsmöglichkeiten und zukünftige wissenschaftliche Beschäftigung mit der komplexen Thematik hybrider Bedrohungen.