Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit

Im Gespräch mit Bundesrichterinnen und Bundesrichtern:

Studierende der späten Gruppe gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Spinner (Mitte) im Sitzungssaal des 1. und 2. Senats; im Hintergrund sind der hölzerne Bundesadler und die Bundesflagge zu sehen.

Am 26. Juni 2026 unternahmen mehrere Studiengruppen des Studiengangs Public Administration der HöMS Wiesbaden unter der Leitung von Prof. Dr. Dittrich eine Exkursion nach Karlsruhe, um die im Studium behandelten Inhalte in der praktischen Umsetzung zu erleben, mehr über die obersten Bundesgerichte zu erfahren und die Menschen hinter diesen Institutionen kennenzulernen.

Für die Studierenden standen verschiedene Programmpunkte zur Auswahl. Für einen Teil von ihnen begann der Tag um 8 Uhr mit zwei zivilrechtlichen Verhandlungen vor dem Bundesgerichtshof. Die Verhandlungen waren spannend, kurzweilig und illustrierten die Arbeitsweise des höchsten deutschen Zivilgerichts eindrücklich. Im Anschluss an die Verhandlungen hatten die Studierenden die Gelegenheit, der Vorsitzenden Richterin des V. Zivilsenats, Dr. Bettina Brückner, Fragen zu stellen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie die verhandelten Fälle bei einem abweichenden Sachverhalt hätten entschieden werden können und welche Fälle sich in der richterlichen Praxis als besonders komplex erwiesen haben. Auch die Besoldung von Richterinnen und Richtern kam bei diesem Austausch zur Sprache, führte bei den Studierenden zu großem Staunen und mündete in der überspitzten Aussage „Augen auf bei der Berufswahl“.

Neben dem Austausch mit Frau Dr. Brückner erhielten die Studierenden zudem eine Führung durch den Bundesgerichtshof. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Frau Dr. Thaten und Herr Dr. Walkenhorst öffneten die Türen zu verschiedenen Sitzungssälen, zum erbgroßherzoglichen Palais und zu einer der größten rechtswissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands.

Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Bundesverfassungsgerichts. Dort wurden die Studierenden von den wissenschaftlichen Mitarbeitern Frau von Gwinner und Herrn Kern begrüßt. Während der Führung durch das Gebäude erhielten die Teilnehmenden Einblicke in den Plenarsaal und in die Ausstellung anlässlich des 75. Geburtstags des Bundesverfassungsgerichts.

Ein besonderer Höhepunkt dieses Besuchs war das Gespräch mit Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Spinner. Er nahm sich viel Zeit, die teils fachlichen, teils persönlichen Fragen der Studierenden zu beantworten. Prof. Dr. Spinner berichtete unter anderem von Fällen, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind, und gab auch preis, welche Überlegungen für ihn mit der Bereitschaft verbunden waren, sein Amt zu übernehmen. Die Studierenden interessierten sich besonders für das Arbeitspensum des Verfassungsrichters und die mit dem Amt verbundene Verantwortung. Es wurde deutlich, wie zeitintensiv die Tätigkeit eines Bundesverfassungsrichters ist und wie weit es auch in das Privatleben hineinreichen kann. Im Gespräch wurde, gerade im Hinblick auf die aktuelle politische Lage, hervorgehoben, dass verfassungsgerichtliche Entscheidungen sich nicht an parteipolitischen Interessen orientieren, sondern ausschließlich am geltenden Recht.

Neben den Besuchen der Gerichte bestand für einen Teil der Studierenden auch die Möglichkeit, an einer Stadtführung mit juristischem Schwerpunkt teilzunehmen. Dabei ging es nicht nur um die „fleißigen Bienen“ in Form von Polizistinnen und Polizisten sowie Richterinnen und Richtern in den Gebäuden; auch die fleißigen Bienen vor dem Bundesverfassungsgericht kamen zur Sprache, wenngleich sich das Geheimnis um ihren Honig als deutlich unspektakulärer erwies als zunächst angenommen. Die Führungen vermittelten zudem eindrucksvoll Einblicke in die Geschichte der Stadt, die Herausforderungen zur Zeit der RAF und die architektonischen Besonderheiten der Gerichtsgebäude. Angesichts der sommerlichen Temperaturen wurde auch besonders deutlich, welche Bedeutung gut geplante und funktionale Gebäude auch für die Arbeit staatlicher Institutionen haben. In diesem Zusammenhang wurde über die umfassende Grundsanierung des Bundesverfassungsgerichts berichtet. Diese trägt unter anderem dazu bei, dass selbst bei hohen Temperaturen und intensiven Beratungen die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts einen kühlen Kopf bewahren können. Mit Blick auf das in Planung befindliche neue Löwenquartier für Polizei und HöMS ist dieser Gedanke sicher auch in Wiesbaden von besonderem Interesse.

Der Tag war geprägt von vielen Gesprächen und Begegnungen mit wichtigen Persönlichkeiten, die den Studierenden als sympathisch und nahbar in Erinnerung geblieben sind.

Abschließend danken die Studierenden den Richterinnen und Richtern des Bundesgerichtshofs, insbesondere Frau Dr. Bettina Brückner, bei den dortigen wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Herrn Dr. Walkenhorst und Frau Dr. Thaten, sowie seitens des Bundesverfassungsgerichts, bei Herrn Kern, Frau von Gwinner und Herrn BvR Prof. Dr. Spinner für die Einblicke und den Austausch. Ein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Dittrich für die Planung und Umsetzung dieses informativen Studientags.

Richterliches Beratungszimmer mit Portraits einiger ehemaliger Präsidenten und Vizepräsidenten des BVerfG

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