Vom 11. bis 13. Mai 2026 ist der südafrikanische Zeitzeuge Christo Brand auf Einladung der Koordinierungsstelle Vielfalt und politische Bildung im Zentrum für Fort- und Weiterbildung (ZFW) der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS) zu Gast in Wiesbaden. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Menschlichkeit im Amt: Verantwortung staatlicher Akteure sowie Führungshandeln in diskriminierenden Systemen und Zeiten des gesellschaftlichen Wandels“ schildert Brand seine außergewöhnlichen Erfahrungen als langjähriger Gefängniswärter und späterer persönlicher Wegbegleiter von Nelson Mandela.
Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte
Christo Brand war über zwölf Jahre lang als Gefängniswärter auf Robben Island tätig, wo Nelson Mandela während der Apartheid inhaftiert war. Trotz des repressiven politischen Systems entwickelte sich zwischen dem jungen Aufseher und dem weltweit bekanntesten politischen Gefangenen eine enge und von gegenseitigem Respekt geprägte Freundschaft. Nach Mandelas Freilassung und seiner Wahl zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten Südafrikas wurde Brand zu dessen persönlichem Referenten im südafrikanischen Parlament.
Begegnung, die Brücken schlug
Der Kontakt zu Christo Brand entstand durch Joel Yachoua während seines Masterstudiums in Politikwissenschaften. Im Rahmen einer Forschungsreise nach Kapstadt im Jahr 2019 lernte er Brand kennen. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine über Jahre gewachsene persönliche und fachliche Verbindung, die nun den Besuch an der HöMS ermöglicht hat.
Feierlicher Auftakt mit hochrangigen Gästen
Die zentrale Auftaktveranstaltung fand am 11. Mai 2026 in der HöMS in Wiesbaden statt. Begrüßt wurden Christo Brand und seine Ehefrau von HöMS-Präsident Dr. Walter Seubert, dem Hessischen Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck, Landespolizeipräsident Felix Paschek. Zahlreche Vertreterinnen und Vertretern aus Polizei, Personalvertretungen, Polizeiseelsorge und der Jüdische Gemeinde Wiesbaden folgten der Einladung an die HöMS.
In ihren Grußworten hoben die Redner die besondere Bedeutung von Menschlichkeit, Würde und rechtsstaatlichem Handeln hervor. Innenminister Poseck betonte, dass die Achtung der Menschenwürde nicht nur ein moralisches Ideal, sondern ein unmittelbar bindender Verfassungsauftrag ist. Landespolizeipräsident Paschek unterstrich, dass professionelle Polizeiarbeit und Menschlichkeit einander nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig bedingen. Um Menschlichkeit im Amt dauerhaft zu bewahren, brauche es Reflexion und Reflexionsräume, die auch mit besonderen Veranstaltungen wie dieser geschaffen werden.
„Wenn ich dafür bestraft worden wäre, hätte ich wenigstens das Richtige getan.“
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein moderiertes Interview mit Christo Brand, das in englischer und deutscher Sprache von Joel Yachoua begleitet und übersetzt wurde.
Brand berichtete eindrucksvoll von seiner ersten Begegnung mit Nelson Mandela, den er zu Beginn seiner Tätigkeit noch nicht kannte. Ein prägender Moment war, als Mandela überrascht feststellte, dass ihm keine Fußfesseln angelegt wurden. Brands Antwort: „Ich habe zuhause gelernt, älteren Menschen mit Respekt zu begegnen.“ Dieser Satz wurde zum Fundament einer tiefen Vertrauensbeziehung.
Immer wieder geriet Brand in Konflikte zwischen dienstlichen Vorgaben und seinem Gewissen. So ermöglichte er heimlich, dass Mandela seine neugeborene Enkelin sehen konnte – ein Verhalten, das ihn im Apartheid-System eine mehrjährige Haftstrafe hätte kosten können. Rückblickend sagte Brand: „Wenn ich dafür verurteilt worden wäre, hätte ich wenigstens das Richtige getan.“
Führung ohne Amt und Versöhnung ohne Rache
Brand schilderte auch, wie Mandela bereits während seiner Haft Führungsqualitäten zeigte. Ohne formale Autorität setzte er sich für die Rechte aller Gefangenen ein, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft. Zugleich führte Mandela aus dem Gefängnis heraus erste Gespräche mit Vertretern der Apartheidregierung und legte damit den Grundstein für den friedlichen Übergang zur Demokratie.
Nach seiner Wahl zum Präsidenten entschied sich Mandela bewusst gegen Vergeltung. Stattdessen initiierte er eine Kultur der Aufarbeitung und Versöhnung, aus der das Leitbild der „Regenbogennation“ entstand.
Eine zentrale Botschaft
Auf die Frage nach seiner wichtigsten Lebenslektion antwortete Christo Brand schlicht: „Help where you can.“ – „Hilf, wo du helfen kannst.“
Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Sie verdeutlichte, dass Menschlichkeit nicht an Funktion, Rang oder äußere Umstände gebunden ist, sondern sich gerade in schwierigen Situationen bewähren muss.
Impulse für Ausbildung und Führung
Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden aus Polizei, Verwaltung und Lehre wertvolle Impulse für das eigene berufliche Handeln. Sie machte deutlich, dass staatliche Autorität und menschliche Würde untrennbar miteinander verbunden sind und dass Führung insbesondere dort gefragt ist, wo Recht, Verantwortung und Gewissen aufeinandertreffen.
Mit dem Besuch von Christo Brand setzte die HöMS ein eindrucksvolles Zeichen für politische Bildung, ethische Reflexion und eine werteorientierte Ausbildung im öffentlichen Dienst. Besonders gewürdigt wurde das Engagement von Joel Yachoua, der diese außergewöhnliche Begegnung ermöglicht hat.
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