Kürzlich sind aus zwei Projekten, die in Kooperation mit anderen Institutionen durchgeführt wurden, Ergebnisse veröffentlicht worden, darin geht es zum einen um den Status Quo wissenschaftlicher Erkenntnisse der digitalen Transformation öffentlich-rechtlicher Organisationen und zum anderen um die Umsetzung von Digitalisierungsprozessen in Ministerien.
Status Quo wissenschaftlicher Erkenntnisse zur digitalen Transformation von Verwaltungsorganisationen
In diesem Kooperationsprojekt stand im Zentrum zu erheben, was bisher aus organisationssoziologischer Perspektive zum Wandel von öffentlich-rechtlichen Organisationen bekannt ist. Mascha Will-Zocholl, Professorin für Soziologie der Digitalisierung von Arbeit und Organisation an unserer Hochschule (HöMS) hat die Ergebnisse in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Forschungsinstitut für digitale Transformation (bidt) veröffentlicht. Unter dem Titel „Digitale Transformation öffentlich-rechtlicher Organisationen: Herausforderungen, Potenziale und Forschungslücken“ analysiert die Autorin den aktuellen nationalen Forschungsstand und zeigt auf, wo die auf der Organisationsebene Hürden für eine moderne Verwaltung liegen.
Die zentrale Erkenntnis der Studie: Die digitale Transformation im öffentlichen Sektor folgt einer anderen Logik als in der Privatwirtschaft. Während Unternehmen oft agil auf Marktentwicklungen reagieren können, sind öffentlich-rechtliche Organisationen durch rechtliche Vorgaben, das Gemeinwohlprinzip und bürokratische Strukturen geprägt. Diese Rahmenbedingungen sind kein Hindernis, sondern die „DNA“ staatlichen Handelns, die Rechtssicherheit und Verlässlichkeit garantiert. Dennoch erfordern sie spezifische, auf den Sektor zugeschnittene Strategien statt bloßer Kopien privatwirtschaftlicher Modelle.
Ein kritischer Punkt der Analyse ist die Diskrepanz zwischen Außenwirkung und internen Abläufen. Viele Digitalisierungsprojekte, wie sie durch das Onlinezugangsgesetz (OZG) angestoßen wurden, konzentrieren sich auf die „Schauseite“ – also digitale Portale für Bürgerinnen und Bürger. Dahinter verbergen sich jedoch oft noch analoge Arbeitsprozesse: Daten werden online eingegeben, intern aber wieder ausgedruckt und manuell weiterverarbeitet. Um diesen strukturellen Bruch zu überwinden, identifiziert das Working Paper die Bedeutung neuer Funktionen wie Chief Digital Officers (CDOs), Digital-Scouts oder Digitallotsen, je mit unterschiedlichem Fokus. Diese Rollen sollen den Wandel nicht nur technisch, sondern vor allem kulturell begleiten, indem sie zwischen IT-Abteilungen und Fachbereichen vermitteln.
Trotz zahlreicher Leuchtturmprojekte zeigt die Studie erhebliche empirische Defizite auf. Es mangelt an systematischen Langzeitstudien, die den Erfolg digitaler Maßnahmen im Inneren der Verwaltung messen. Zudem wird der kulturelle Wandel –oft zitiert als „digitales Mindset“ – zwar häufig gefordert, wissenschaftlich ist bisher aber kaum untersucht, was das in dein spezifischen Motiv- und Identitätsstrukturen der öffentlich Beschäftigten bedeutet.
Das Working Paper mahnt eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit an und liefert hierfür wichtige Impulse. Es steht ab sofort hier Öffnet sich in einem neuen Fensteronline zur Verfügung.
Digitale Transformation in Bundesministerien: Entbürokratisierung braucht mehr als Digitalisierung
Digitalisierung gilt als Schlüssel zur Entlastung der öffentlichen Verwaltung – doch die Ergebnisse der explorativen Studie zum Wandel ministerieller Arbeit zeigen: Technische Lösungen allein reichen nicht aus. Eine aktuelle Studie von Philipp Kuscher, Prof. Dr. Mascha Will-Zocholl und Prof. Dr. Tino Schuppan macht deutlich, dass Entbürokratisierung nur dann gelingt, wenn sie mit einem tiefgreifenden Wandel von Arbeitsorganisation, Entscheidungsprozessen und Verwaltungskultur einhergeht.
Die Untersuchung ministerieller Arbeit in deutschen Bundesministerien zeigt, dass digitale Innovationen häufig parallel zu bestehenden bürokratischen Strukturen entstehen. Statt Verfahren grundlegend zu vereinfachen, kann so sogar „digitale Bürokratie“ entstehen – schneller, aber nicht weniger komplex.
Besonders relevant: Entbürokratisierung ist nicht nur eine Frage staatlicher Modernisierung, sondern ein zentraler Standortfaktor für die Wirtschaft. Komplexe und langsame Verwaltungsprozesse erhöhen Kosten, erschweren Investitionen und bremsen Innovationen.
Die Forschenden zeigen zudem, dass wirksame Veränderungen vor allem dort ansetzen müssen, wo Verwaltung konkret stattfindet – im Arbeitsalltag der Beschäftigten. Dafür braucht es neue Handlungsspielräume, angepasste Routinen sowie eine Führungskultur, die Innovation ermöglicht und gleichzeitig Stabilität sichert.
Die Studie wurde in den Jahren 2024 und 2025 aus internen Mitteln an der HöMS gefördert und in Kooperation mit dem Stein-Hardenberg-Institut in Berlin durchgeführt.
Die Ergebnisse sind verfügbar in Verwaltung und Management, Jg. 31, Heft 2 (2025), S. 65-75Öffnet sich in einem neuen Fenster
sowie in einer Kurzfassung aktuell im Audit Committee Quarterly (S.21ff.)Öffnet sich in einem neuen Fenster.